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Die Forschungsstation Randecker Maar e.V. ist eine wissenschaftliche Einrichtung
auf privater Basis, die sich aus Spenden finanziert. Dort arbeitet ein
kleines Team von Ornithologen und Entomologen alljährlich von Ende
August bis Anfang November von Tagesanbruch bis zum späten Nachmittag,
um die nach Süden wandernden Vögel und Insekten zu erfassen.
Die Möglichkeit zur Mitarbeit besteht bei sehr guten Fachkenntnissen
im Bereich der Feldornithologie und Entomologie, des weiteren für
Studenten als wissenschaftliche Hilfskräfte für Zeiträume
ab einer Woche.
Die Beobachtungssaison
beginnt jährlich am 25. August und endet am 6. November.
Beobachter werden für diesen Zeitraum noch gesucht. Für
Bewerbungen bitten wir Sie das anhängende Bewerbungsformular
auszufüllen und an die dort angegebene Adresse bzw. Fax-Nummer zu
schicken. Bei kurzfristigen Anfragen wenden Sie sich bitte an die Telefon-Nr.
07026-2104
Das Gelände der Forschungsstation ist öffentlich nicht zugänglich.
Das Stationsteam hat keine Möglichkeiten Besucher zu betreuen. An
"Tagen der offenen Tür" können größere Gruppen bei Voranmeldung speziell
geführt werden. Einzelpersonen und Kleingruppen können an diesen
Veranstaltungen ohne Voranmeldung teilnehmen. Führungen zu anderen Terminen
können nach rechtzeitiger Voranmeldung durchgeführt werden.
Der
diesjährige Tag der offenen Tür ist am 10. Oktober 2010.
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Am Tag der offenen Tür beteiligt sich Herr Dipl.-Ing. Walter
Schwab von der Firma
Carl Zeiss (Sports Optics) in Wetzlar und die Firma Optik
Schmidt, Owen/Teck, mit einer großen Palette optischer
Geräte und viel Fachwissen. Dr. Wulf Gatter und sein Team leiten
die ornithologischen Führungen.
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Tag der offenen Tür am
Randecker Maar
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. Dipl.-Ing.
Walter Schwab von der Firma
Carl Zeiss (Sports Optics)
zeigt die neuesten Ferngläser und Fernrohre aus dem Hause Zeiss
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Dr. h.c. Wulf Gatter erklärt
das Migrationssytem
europäischer Tagfalter und Schwebfliegen.
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Zugforschung
am Randecker Maar
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Der trichterförmige Einschnitt des Randecker Maars in
den Trauf der Schwäbischen Alb.
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Die ziehenden Vogelschwärme, die im Herbst über das
häufig nebelverhangene Neckarland auf die Anhöhen der Schwäbischen
Alb treffen, haben schon früh eine eigenartige Faszination auf die
Ornithologen dieser Region ausgeübt.
Nachdem wir 1961-1966 an verschiedenen Pässen und
Bergen der Schwäbischen Alb südlich von Kirchheim beobachtet hatten,
entdeckten wir 1966 die Bedeutung des Randecker Maars für den Kleinvogelzug.
Seine Vorteile gegenüber den anderen Punkten wurden rasch auch in
anderer Hinsicht deutlich. 1966 bis 1968, vor allem aber 1969 konnten
bereits große zusammenhängende Zeiträume des Wegzugs erfaßt werden,
die quantitative Aussagen zum Zug einer Reihe von Arten ermöglichten.
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Auf der Grundlage der dabei gewonnenen Erkenntnisse erfolgte
die Planung der Zugbeobachtungen, mit denen seit 1970 volle Wegzugsperioden
aus 40 Jahren erfaßt werden konnten - ein Projekt, das ausschließlich
nebenberuflich geleitet und auch von vielen der Beobachter in ihrer Freizeit
durchgeführt wird.
Ziel der Beobachtungen am Randecker Maar war es
zunächst, Einblicke in die jahreszeitlichen Abläufe des kaum erforschten
sichtbaren Vogelzuges über dem Binnenland zu gewinnen. Rasch erwuchsen
aus den in wenigen Jahren gesammelten Ergebnissen zahlreiche Fragen, z.B.
zur Zughöhe, zur Wetterabhängigkeit und zum Sozialverhalten. Sie regten
zur Fortsetzung des Projektes an, so daß schließlich ein Langzeitprogramm
daraus entstand. Es zählt heute mit zu den zeitlich längsten und konsequentesten
ornithologischen Monitorprogrammen in Europa. Über das Monitoring hinausgehende
Fragestellungen wurden im Rahmen von Sonderprogrammen wie z.B. zum Umkehrzug,
zu Geschwindigkeitsmessungen und zur Mischgeselligkeit und vielen anderen
Fragen immer nur für einige Jahre bearbeitet.
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In dem jüngst erschienen Band Vogelzug und Vogelbestände
in Mitteleuropa wurden die Ergebnisse der Beobachtung des sichtbaren
Vogelzugs am Randecker Maar aus drei Jahrzehnten vorgestellt. Die
faunistische Bearbeitung der Arten und ihrer Phänologie wird diesem
Band folgen. Vordringlich erschien die Bearbeitung der Bestandstrends.
Erstmals konnte damit für das zentrale Mitteleuropa ein großes Material
vorgelegt werden, das zahlreiche Arten umfaßt, über die wir bisher
kein verläßliches Material der großräumigen Entwicklung hatten.
Die Auswertung zeigt, daß es im Bereich der Populationsdynamik wohl
erst in dieser zeitlichen Größenordnung möglich ist, tatsächliche
Bestandstrends von kurzfristigen oder lokalen Schwankungen zu unterscheiden.
Der Artenumfang, die geographische Breite der Ursprungsgebiete und
die Materialfülle erlaubten deshalb auch eine detailliertere Betrachtung
der Bestandsentwicklungen, die wichtige neue Erkenntnisse zuließen.
Der Beobachtungszeitraum war aber auch umfassend genug, um einige
"Jahrhundertereignisse" zu erfassen: So z.B. den Kälteherbst 1974
mit der Schwalbenkatastrophe, die Invasionen der Kreuzschnäbel 1990
und 1993 und die Wiederkehr und Bestandserholung der Greifvögel
nach dem Zusammenbruch ihrer Populationen durch Umweltgifte.
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AULA-Verlag
Wiesbaden, 2000
Gebundene Ausgabe - 656 Seiten
ISBN 3-89104-645-6
Best. Nr. 315-01003........ zum
Inhalt
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Durch die Analyse solcher Ereignisse konnten auch einige wichtige
Aspekte zur Evolution des Vogelzugs aufgezeigt werden.
Neben vielen noch ungelösten Problemen ist auch die Spannbreite
der Erscheinungsformen im Migrationsbereich selbst nach 40 Jahren
offenbar nicht annähernd erfaßt, wie uns die alljährlichen Überraschungen
zeigen. Dies dürfte einer der Gründe sein, weshalb sich manche der
inzwischen über 400, meist jungen Mitarbeiter (Schüler, Studenten
und Berufstätige) über Jahre hinweg, von erstaunlichem Enthusiasmus
getragen, ehrenamtlich oder für geringes Entgelt an der oft harten
Stationsarbeit beteiligen. Eine enorme Leistung, die mit einem speziellen
Dankeschön kaum gewürdigt werden kann.
Blick
auf den Steilabfall der
Schwäbischen Alb mit dem Pass
und Beobachtungspunkt Sattelbogen (im Vordergrund) und dem Einschnitt
des Randecker Maars (knapp links vom Zentrum des Bildes).
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Aller Unbill des deutschen Wetters trotzend, wurden die Beobachtungen
in den ersten Jahren bis in den Dezember hinein ausgedehnt. Ein winziger
Bauwagen diente damals gleichermaßen als Küche und Büro wie auch als spartanische
Schlafstätte und hatte wenig gemein mit der bescheidenen Gemütlichkeit
der heutigen Stationsunterkunft. Regen, Schnee und Wind sind es aber auch
heute noch, welche die Planbeobachtung auf einer Mittelgebirgshöhe zur
uneingeschränkt harten Feldarbeit machen. Mit den hier erarbeiteten mehr
als 180.000 bisher geleisteten Beobachtungsstunden wurde inzwischen ein
unersetzliches Material gesammelt. Es ist Grundlage zur Beantwortung zahlreicher
Fragen der Zugphänologie, zu jahres- und tageszeitlichen Rhythmen, zur
Populationsdynamik und zu vielen allgemein biologischen Problemen und
ist gleichzeitig Basismaterial für die Naturschutzarbeit.
Anfang der 1970er Jahre war die Zeit der Diskussion über geeignete Möglichkeiten
zur Erfasssung des Vogelzugs und der Bestandsdynamik bei Vögeln. Mit der
Vogelzugbeobachtung ließen sich nach der Ansicht von Kritikern weder vernünftige
Zugmuster erfassen, geschweige denn Fragen der Populationsdynamik klären.
Doch für manche der damals propagierten Programme erwies sich die Natur
inzwischen als der Hauptfeind, weil unbezwingbare Sukzessionen des Bewuchses
sich über jede "Standardisierung" hinwegsetzten. Die Zugplanbeobachtung
hat inzwischen längst ihre Feuertaufe bestanden. Unabhängig von der Tatsache,
daß sie ein günstiges Kosten-Nutzenverhältnis in Bezug auf die erfaßte
Arten- und Individuenzahl aufweist, hat sie gezeigt, daß sich viele der
noch ungelösten Probleme und grundlegende Fragen nur mit der standardisierten
Beobachtung über lange Zeiträume lösen lassen. Bei der Beurteilung langfristiger
Bestandstrends und selbst bei der Veränderung von Zugzeiten wird deutlich,
wie komplex die Zusammenhänge sind. Häufig vermag nur jahrzehntelange
Erfahrung im Felde und eine vernetzte Betrachtung den notwendigen Einblick
in die ökologischen Zusammenhänge vermitteln.
In der europäischen Literatur über Bestandstrends werden die Veränderungen
der Wälder Europas und deren mikroklimatische Auswirkungen auf die Vogelwelt
häufig mißverstanden.
Bisher wurde übersehen, daß der Aufbau der mitteleuropäischen Wälder
in den vergangenen 150 Jahren nicht nur unsere Vogelwelt, sondern diejenige
Fennoskandiens und Nordrußlands in geradezu revolutionärer Weise - möglicherweise
mehr als alle anderen Faktoren - verändert hat und daß dieses Geschehen
noch längst nicht abgeschlossen ist.
Aber auch andere zu wenig beachtete Entwicklungen haben die mitteleuropäische
Vogelwelt nicht erst seit den letzten 50 Jahren stark geprägt:
- Die Landflucht seit Beginn der Industrialisierung mit Brachen und
darauf folgender "Verwaldung".
- Die intensive Industrialisierung und Mechanisierung der Landwirtschaft
auf den Restflächen.
- Der zweite Weltkrieg mit einem nochmaligen Aufflackern flächenmäßig
intensivster Landwirtschaft und kahlschlagsintensiver Forstwirtschaft.
- Die Belassung von Naturprodukten wie Waldsamen, Beeren, Obst und
sonstigen landwirtschaftlichen Überschußerzeugnissen in der Landschaft,
Erzeugnisse, die früher vollständig genutzt wurden und heute den Wildtieren
zur Verfügung stehen.
- Die veränderte Einstellung zu Tierarten, die früher als Nahrungskonkurrenten
des Menschen oder als sein Feind betrachtet und weder in der freien
Natur noch in den Siedlungen geduldet wurden.
- Die mit dem Wohlstand einhergehende Veränderung der Garten- und Siedlungskultur.
© Wulf Gatter, Vogelzug
und Vogelbestände in Mitteleuropa, Aula Verlag, 2000.
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